Oliver von weltreiseforum.com gehört zum Urgestein der deutschsprachigen Bloggerszene. Im Mai bereiste er auf Einladung von Hostelsclub etwas über eine Woche lang Portugal. Im Interview schildert er seine Eindrücke aus dem westlichsten Land Europas.

Castello von Elvas (big)

1.    Wenn du Portugal in drei Worten zusammenfassen müsstest, welche wären das und warum?


Keine leichte Aufgabe. Am Auffälligsten fand ich die Ruhe im Land. Es gab fast nirgends Lärm. Die Menschen drängelten nicht, waren sehr geduldig mit mir und anderen Leuten. Diese Ruhe zeigt sich selbst in der traditionellen Musik: Fado klingt eher traurig und regt überhaupt nicht zum Mittanzen an. Als zweites ist mir aufgefallen, wie sehr die Portugiesen ihre Traditionen schätzen. Sei das in der bekannten Universität von Coimbra, wo die Studenten auch heute noch in schwarzen Roben rumlaufen, sei es bei Fernsehauftritten, wo Wirtschaftsprofessoren gerne Analogien zu längst vergangenen Jahrhunderten ziehen. Und dann sind da natürlich die zahlreichen Dörfer und Städte, deren Aussehen sich in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert hat. Das dritte Wort, das mir einfällt, ist „hügelig“. Alle Ortschaften, die ich besuchte, langen an teilweise sehr steilen Hügeln. Ich war froh, dass ich zumindest in der ersten Hälfte der Reise ein Auto gemietet hatte.

Universität von Coimbra (big)


2.    Dein wichtigster Ratschlag aus eigener Erfahrung, an jemanden, der eine Reise in Portugal plant.

Ein Ratschlag, der dich sicherlich freut: Leute, übernachtet in Hostels! Portugal hat nämlich einige der bezauberndsten Hostels von ganz Europa und das zu unschlagbar günstigen Preisen. Das Porto Wine Hostel beispielsweise könnte locker auch als Boutique-Hotel durchgehen und das Sunset Destination Hostel in Lissabon ist beispielsweiseweise deswegen aufregend, weil es sich in den ehemaligen Verwaltungsräumen eines Bahnhofs befindet und man die Geschichte des Gebäudes in jedem Raum spüren kann. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Hostelsclub für die Einladung! Ansonsten habe ich nur die Tipps, die auch für alle anderen Länder gelten: Nehmt euch genügend Zeit. Portugal ist zwar nicht besonders groß, aber es gibt echt viel zu sehen. Ich war nur knapp über eine Woche im Land. Alleine in der Hauptstadt könnte man locker eine Woche verbringen.

Wine Hostel in Porto (big)


3.    Gab es während des Trips eine schlimme Reisepanne oder ein verrücktes Erlebnis?

Nein. Portugal ist eigentlich recht leicht und sicher zu bereisen. Das einzige Missgeschick, das mir widerfuhr: In der Alfama, dem historischen Zentrum von Lissabon, verirrte ich mich auf dem Weg zu meinem Hostel hoffnungslos. Unter der sengenden Mittagshitze musste ich meinen Rollkoffer über all die steilen Kopfsteinpflasterstraßen ziehen. Aber zum Glück waren die Leute sehr hilfsbereit und konnten mir den Weg durch das Labyrinth weisen. Als ich das Hostel schließlich fand, musste ich als erstes unter die Dusche.

Alfama (big)


4.    Hast du einige Geheimtipps für Portugal?

In der Stadt Evora gibt es die wenig bekannte „Capela dos Ossos“. Dabei handelt es sich um eine Kapelle, deren Wände vollständig mit menschlichen Knochen und Totenschädel bedeckt sind. Die Franziskanermönche, die die Kapelle einst errichteten, wollten damit die Besucher an ihre Sterblichkeit erinnern. Ganz schön gruselig, muss ich sagen. Aber auch sehr interessant und überraschenderweise auch ziemlich ästhetisch. Ebenfalls sehr sehenswert fand ich die alte Universität von Coimbra, die ich bereits erwähnt habe. Wenn man sich ruhig verhält und nicht wie wild mit der Kamera rumfuchtelt, ist es möglich, in die alten Gemäuer zu schleichen und sich unter die Studenten zu mischen. Ich fühlte mich ein bisschen wie in einer portugiesischen Version eines Harry Potter-Films.

Evora (big)


5.    Welche Reiseandenken hast du von deiner Portugal Reise mitgebracht?


Ich gehöre zu den Leuten, die von Reisen nur selten Andenken mitnehmen. Das einzige Materielle, das ich aus Portugal mitbrachte, war eine Zahnpasta. Die nächsten Monate werde ich deshalb beim Zähneputzen an die Supermarktkette Pingu Doce erinnert, wo ich die Tube kaufte. Ansonsten habe ich vor allem viele Bilder geschossen und jede Menge Geschichten mitgebracht, die ich in den kommenden Wochen auf meinem Blog veröffentlichen werde. Ihr dürft also gespannt sein!